Start ins Schuljahr 2010/2011 im Zeichen der Schulreform: Zöllner: "Der Berliner Weg wird Schule machen"
Integrierte Sekundarschulen sind Schulen mit Möglichkeiten wie nie zuvor
Auch Gymnasien auf dem Weg in den Ganztag
Elternwillen und Eigenverantwortung der Schulen werden gestärkt
Mit dem Schuljahr 2010/2011 wird es in Berlin nur noch zwei weiterführende Schularten geben: Die neue Integrierte Sekundarschule und das Gymnasium. Damit ist die Hauptschule als dritte Schulart in Berlin endgültig abgeschafft. Frühere Haupt-, Real- und Gesamtschulen wandeln sich zu Integrierten Sekundarschulen um.
Auch an den neuen 111 Integrierten Sekundarschulen (fünf Realschulen und vier Gesamtschulen haben sich für einen Start zum Schuljahr 2011/2012 entschieden), die ausdrücklich ein Angebot an Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Bildungsgangempfehlungen sind, können alle Bildungsabschlüsse bis einschließlich des Abiturs erworben werden. Sämtliche der Integrierten Sekundarschulen werden zu Ganztagsschulen mit Nachmittagsangeboten, wobei Eltern, Schülerschaft und Lehrerkollegium über die Form, Umfang und Gestaltung entscheiden.
Das Duale Lernen ermöglicht an allen Sekundarschulen eine frühe Verbindung von Schule, Ausbildungs- und Berufswelt. Für die Zusammenarbeit im Ganztagsbetrieb und beim Dualen Lernen können Schulen auf die Unterstützung von Partnern wie der Handwerkskammer, der IHK, der Vereinigung der Unternehmensverbände, dem Verband freier Berufe, der Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege, dem Landesjugendring, dem Landessportbund und der Sportjugend Berlin setzen.
Die 96 Gymnasien Berlins werden als bewährte Schulform weitergeführt. Auch sieben Gymnasien gehen den Weg in den Ganztagsbetrieb, weitere werden folgen.
Nunmehr nehmen bereits 17 Schulen an der Pilotphase Gemeinschaftsschule teil.
Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner (SPD): "Die alte Dreigliedrigkeit des Bildungssystems steht für Trennung und Abspaltung von Schülergruppen. Sie nimmt jungen Menschen Chancen auf ihrem Weg ins Leben. Der Wechsel in die Zweigliedrigkeit steht daher in vielen Bundesländern berechtigterweise auf der Agenda.
Der Berliner Weg verbindet diese Idee des Vorrangs des gemeinsamen Lernens mit dem Angebot eines flächendeckenden Ganztagsbetriebs nun bis zur zehnten Klasse. Und mehr noch: An den neuen Integrierten Sekundarschulen wird die Schule mit der Berufs- und Ausbildungswelt in einer neuen Dimension und Qualität verknüpft. Nie war die Öffnung der Schulen für neue Kooperationspartner aus Wirtschaft und Gesellschaft größer, nie hatten Berlins Schulen mehr Möglichkeiten und mehr Eigenverantwortung.
Der Berliner Weg eröffnet Chancen in neuer Fülle und Form und erhält Bewährtes. Elternwille und die Rolle der Gymnasien bleiben unverändert. Gleichwohl gibt die Schulreform auch den Gymnasien die Möglichkeit der Weiterentwicklung. Ich gehe davon aus, dass auch Gymnasien in naher Zukunft überwiegend Ganztagsschulen sein werden."
Seit 2002 sind in Berlin die Schülerzahlen sukzessiv gesunken. Allein von 2005/2006 bis 2009/2010 hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Schulen um rund 25.000 schulpflichtige Kinder verringert. Dennoch blieb der Bestand an Lehrkräften konstant mit leicht steigender Tendenz. Dies hat eine verbesserte Schüler-/Lehrerrelation zur Folge.
Dieses Schuljahr rechnet die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung mit 293.100 Schülerinnen und Schülern an öffentlichen Schulen. Die Schülerzahlen sind in absoluten Zahlen um 1.400 Schüler gesunken.
Die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer ist von 25.943 VZE (VZE = Vollzeiteinheiten, "volle Lehrerstellen") im Jahr 2009 auf 25.997 VZE in diesem Schuljahr leicht gestiegen.
Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung geht davon aus, eine im Durchschnitt hundertprozentige Unterrichtsversorgung auch im Schuljahr 2010/2011 zu sichern.
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I. Berlins neue Schulform - die Integrierte Sekundarschule
Mit dem Start in das neue Schuljahr werden rund 12.000 Schülerinnen und Schüler
im 7. Jahrgang der Integrierten Sekundarschulen (ISS) lernen. Für diese Schulen treten verbesserte Bedingungen in Kraft:
- Höchstfrequenz (Klassenstärke) maximal 26 Schülerinnen und Schüler, Zumessung auf 25 Schülerinnen und Schüler pro Klasse.
- Alle Lehrkräfte an ISS haben eine gleiche Unterrichtsverpflichtung von 26 Stunden (vorher an Haupt- und Realschulen: 27 Stunden) und damit mehr Zeit zum Beispiel für Fortbildung und Beratung.
- Alle ISS arbeiten im Ganztagsbetrieb mit mehr Angeboten und Fördermöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler.
- Alle ISS führen zum Abitur - mit eigener gymnasialer Oberstufe oder durch verbindliche Kooperationen mit Oberstufen anderer Integrierter Sekundarschulen oder beruflichen Gymnasien.
- Außerschulische Partner aus Wirtschaft, Sport, Trägern der freien Jugendhilfe unterstützen die Schulen in vielen Bereichen.
- Förderung jedes Einzelnen, Individualisierung des Lernens als Unterrichtsprinzip, kein "Sitzenbleiben".
- Zusätzliche Ausstattung entsprechend der Zusammensetzung der Schülerschaft jeder Schule (Kriterien: Sprachförderbedarf, Lernmittelbefreiung).
- Baumaßnahmen an vielen Standorten verbessern die Lern- und Arbeitsbedingungen, ermöglichen die Mittagsversorgung.
- Die flexible Stundentafel ermöglicht eine Schwerpunktssetzung entsprechend dem Profil der Schule und eine individuelle Schwerpunktsetzung entsprechend der Voraussetzungen der Schüler/innen.
- Frühzeitigere Berufsorientierung und Verknüpfung von schulischem und praktischem Wissen durch das Duale Lernen.
Zu einzelnen Veränderungen:
I.1. Ganztagsbetrieb
Mit der Schulreform zieht der Ganztagsschulbetrieb flächendeckend auch in die weiterführenden Schulen ein. Alle ISS und Gemeinschaftsschulen werden ein Ganztagsangebot führen, sieben Gymnasien im Schuljahr 2010/2011 ebenso. Da bereits Berlins Grundschulen als Ganztagsschulen - gebunden oder offen - arbeiten, ist so ein durchgängiges Angebot für Schülerinnen und Schüler im Ganztagsbetrieb von der ersten Jahrgangsstufe bis zum Abitur möglich.
Der Anteil der Schulen mit Ganztagsbetrieb (alle Grundschulen, alle ISS/Gemeinschaftsschulen, sieben Gymnasien) an allen allgemein bildenden öffentlichen Schulen erreicht im kommenden Schuljahr den hohen Wert von fast 70 Prozent.
70 Integrierte Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen aus Haupt- und Realschulen steigen neu in den Ganztagsbetrieb ein. Integrierte Sekundarschulen, die aus den Gesamtschulen hervorgehen, sind bereits Ganztagsschulen und setzen ihr Konzept fort.
Alle neu startenden Integrierten Sekundarschulen haben entschieden, bei der Gestaltung des Ganztags auf die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern zu setzen. Für diese Kooperationen werden die Schulen selbstverwaltete Etats nutzen. Neben den Trägern der freien Jugendhilfe kommen die neuen Partner für die Schulen aus so unterschiedlichen Bereichen wie Sport, Musik oder Kunst und den Volkshochschulen.
Tabelle: Verteilung des Ganztagsbetriebs an den 70 neu einsteigenden Schulen
Form des Ganztagsbetriebs: Gebunden
Erläuterung: Tagesablauf in rhythmisierter Form. Pflichtunterricht und zusätzliche Angebote über den Tag verteilt; Anwesenheitspflicht von 08:00 bis 16:00 Uhr.
Anzahl: 26
Form des Ganztagsbetriebs: Teilgebunden
Erläuterung: Meist: Zwei Tage gebundener und zwei Tage offener Ganztagsbetrieb, Schulschluss am Freitag am frühen Nachmittag.
Anzahl: 35
Form des Ganztagsbetriebs: Offen
Erläuterung: Zusätzliche Angebote, die eine Schülerin/ein Schüler wählen kann, aber nicht muss. In jedem Fall verlässliche Betreuung auch am Nachmittag.
Anzahl: 9
Für eine vereinfachte Organisation des Ganztagsbetriebes können die Schulen auf Muster-Kooperationsvereinbarungen zurückgreifen. Die Rahmenvereinbarungen mit der Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege und dem Landesjugendring Berlin e. V., dem Landessportbund Berlin und der Sportjugend Berlin für die Kooperation im Ganztagsbetrieb der künftigen Integrierten Sekundarschulen (ISS) und Ganztagsgymnasien sind abgeschlossen. Für die Schulen sind damit die Rahmenbedingungen vereinbart, um mit den Trägern der freien Jugendhilfe und anderen wichtigen Kooperationspartnern im Ganztagsbetrieb zusammenzuarbeiten.
Eine Vereinbarung für die Zusammenarbeit mit Volkshoch- und Musikschulen wird in Kürze mit den Bezirken als Trägern dieser Einrichtungen abgeschlossen.
Hier eine Auswahl von Beispielen für Kooperationen:
Sekundarschule am Schloß (entstanden aus der Oppenheim-Schule (verbundene Haupt- und Realschule und der Elisabeth-Schule (Realschule), Charlottenburg-Wilmersdorf): Kooperationen mit OSZ KFZ (auch für Übergänge zum Abitur) und OSZ Körperpflege, Kooperationen mit zwei Grundschulen, u. a. zur Integration sprachbehinderter Schüler, Spanisch-Schüler.
Kooperationen Ganztag und Berufsorientierung (Auswahl):
CJD (Christliches Jugenddorfwerk) für Betreuung der Praxisklassen, Netzwerk Berlin: Berufsfindung in der 9. und 10. Klasse, Haus der Jugend: Kunstprojekte für Schüler und Schülerinnen der 7. Klassen, Tanzkurse für Schüler und Schülerinnen der 7. Klassen; Jugendtechnikschule: Naturwissenschaftliche Projekte für Schüler und Schülerinnen der 7. Klassen; City-Basket Basketball
Heinz-Brandt-Schule (Pankow): Ganztag/Jugendsozialarbeit: Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie e. V. und Sportverein TSC (u. a. Anti-Aggressionstraining).
Reinhold-Burger-Schule (Pankow): Ganztag/Jugendsozialarbeit: Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH. Der Ganztagsbetrieb beginnt nach einer durchgeplanten zweiwöchigen, gemeinsam mit dem Träger durchgeführten Einführungsphase.
Bildungssenator Zöllner: "Das Angebot an Ganztagsschulen ist eine zentraler Bestandteil des Berliner Wegs. Hier wirkt Schule weit über den eigentlichen Bildungsauftrag hinaus. Die Berliner Schule ist auch Baustein der Integrations-, Sozial- und Familienpolitik.
Die Möglichkeiten der Bildung und Betreuung umfassen die Grundschulzeit und nun endlich auch die Zeit danach. Der Berliner Weg zeigt, wie weit der Weg gegangen werden kann."
I.2. Duales Lernen
Duales Lernen ist eines der Schlüsselthemen für die neue Integrierte Sekundarschule. Duales Lernen umfasst praxisbezogenes Lernen, Aktivitäten zur Berufs- und Studienorientierung und die Vermittlung von Praxisplätzen an geeigneten Lernorten für alle Schülerinnen und Schüler.
Alle Integrierten Sekundarschulen bieten in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 praxisbezogenes und berufsorientierendes Lernen an. Dafür sind in verstärktem Maße Kooperationen mit Betrieben und Trägern der Berufsausbildung und Berufsvorbereitung notwendig. Starke Partner sind hier Betriebe und Unternehmen der Handwerkskammer Berlin, der Industrie- und Handelskammer Berlin, der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e. V. und des Verbandes der Freien Berufe Berlin. Im Rahmen eines regelmäßig tagenden Lenkungskreises mit den Spitzen dieser Verbände wird die Arbeit zwischen Wirtschaft und Senatsverwaltung für Bildung Wissenschaft und Forschung zur Unterstützung des Dualen Lernens koordiniert.
Die Angebote sind auf der gemeinsamen Internetseite von SenBWF und oben genannten Partnern zu finden www.duales-lernen-berlin.de
Leitfach für das Duale Lernen ist das Unterrichtsfach "Wirtschaft, Arbeit, Technik (WAT)", das ab dem Schuljahr 2010/2011 in der Integrierten Sekundarschule unterrichtet wird. Dieses Fach knüpft an die Erfahrungen des bisherigen Faches "Arbeitslehre" an. 200 Lehrkräfte für Wirtschaft, Arbeit, Technik (WAT) aus den neuen Integrierten Sekundarschulen wurden Ende Juni umfassend über den neuen Rahmenplan und das Schlüsselthema Duales Lernen informiert. Zusätzlich werden 15 Multiplikatoren für Unterrichtsentwicklung (WAT/Duales Lernen) qualifiziert, die die Lehrkräfte weiter unterstützen.
Schulen haben für den 7. Jahrgang altersgerechte Formen des Dualen Lernens geplant wie Service Learning, Betriebserkundungen, Schnupperpraktika und Schülerfirmen.
Beispiel für die Jahrgänge 7 - 10
7. Jahrgang: Unterrichtsfach: Wirtschaft, Arbeit, Technik,
Einführung des Berufswahlpasses, Service Learning, Betriebserkundungen (Erstkontakt mit der Arbeitswelt)
8. Jahrgang: Unterrichtsfach: Wirtschaft, Arbeit, Technik,
Betriebserkundungen/kurze Betriebspraktika (1 - 3 Tage), Schülerfirma
9. Jahrgang: Unterrichtsfach: Wirtschaft, Arbeit, Technik,
Betriebspraktikum (3 Wochen), Assessment Center, Projekte zur vertieften Berufsorientierung oder (alternativ)
Produktives Lernen/Teilnahme an einer Praxislerngruppe mit jeweils drei Tagen außerhalb der Schule an Praxisorten.
10. Jahrgang: Unterrichtsfach: Wirtschaft, Arbeit, Technik,
Betriebspraktika (eine Woche), Bewerbungstrainig, Vorstellungstest, Online-Bewerbungstrainig, Schülerlabore an Hochschulen oder Produktives Lernen/Teilnahme an einer Praxislerngruppe mit jeweils drei Tagen außerhalb der Schule an Praxisorten.
I.3. Kooperationen mit Oberstufenzentren und beruflichen Schulen
Um Schülerinnen und Schüler zum Abitur zu führen, gibt es für die ISS verschiedene Möglichkeiten
- 30 Integrierte Sekundarschulen haben eine eigene gymnasiale Oberstufe. Diese Sekundarschulen kooperieren mit solchen Sekundarschulen, die keine eigene Oberstufe besitzen. Die Schülerinnen und Schüler gehen nach der Jahrgangsstufe 10 gut vorbereitet in die Kooperationsschule über.
- 16 Oberstufenzentren/berufliche Gymnasien (OSZ) haben eigene Oberstufen, die zum Abschluss der allgemeinen Hochschulreife führen. Diese OSZ kooperieren mit Sekundarschulen, um verbindliche und vorbereitete Übergänge auf dem Weg zum Abitur zu schaffen.
Die ersten Sekundarschüler, die nach den neuen Regeln der Schulreform ihre Schule durchlaufen, kommen erst 2014/2015 in die gymnasiale Oberstufe.
Rund 80 Prozent der Integrierten Sekundarschulen pflegen inzwischen Kontakte zu Oberstufenzentren. Bereits jetzt stehen rund 60 Prozent der Schulen vor dem Abschluss verbindlicher Kooperationsvereinbarungen oder haben Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen.
Oberstufenzentren und berufliche Schulen einer Region bilden auch bezirksübergreifend Schulverbünde, um eine vielfältige Berufsorientierung ermöglichen zu können.
Beispiel: OSZ-Verbund Mitte, bestehend aus den Oberstufenzentren Kommunikations- und Medientechnik, Banken und Versicherungen, Sozialwesen II und Gesundheit I.
Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung plant zudem mit der Stiftung Brandenburger Tor ein gemeinsames Projekt, in dem rund 12 Multiplikatoren für Schulentwicklung bei der Beratung von Schulen unter dem Aspekt der Kooperationen professionell begleitet werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Übergänge zwischen den Grundschulen, den Integrierten Sekundarschulen und den beruflichen Schulen.
I.4. Unterstützungs- und Fortbildungsprogramm
Für die Integrierten Sekundarschulen wurde ein umfangreiches Unterstützungs- und Qualifizierungsprogramm der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung gestartet. Für dieses Programm können einschließlich der erforderlichen Projektmittel insgesamt für einen Zeitraum von fünf Jahren Mittel in Höhe von 10 Mio. Euro eingesetzt werden.
Es richtet sich sowohl an Schulleiterinnen und Schulleiter als auch an Lehrerinnen und Lehrer - und speziell an diejenigen, die in einem ersten 7. Jahrgang unterrichten.
Der Auftaktworkshop im September/Oktober 2009 traf auf das Interesse von 400 Teilnehmer/innen. Workshopreihen zu den Themen Ganztag und Kooperationen mit außerschulischen Partnern folgten in allen Regionen unter anderem im März/April 2010. An der Basisqualifizierung für die Schulleitungen, an dem Coaching und regionalen Workshops, die den Prozess der Fusionen und Entwicklung begleiten, nahmen bereits 300 Lehrkräfte aus Schulleitungen teil.
Jede Schule kann für ihren Veränderungsprozess kompetente - interne oder externe - Schulentwicklungsberater in Anspruch nehmen. Jede zukünftige Integrierte Sekundarschule wird durch mindestens einen Schulentwicklungsberater oder eine Schulentwicklungsberaterin begleitet.
I.5. Gymnasien in der Schulstrukturreform
Die Einführung der Integrierten Sekundarschule schafft zwei gleichwertige Schulformen, die zu allen Abschlüssen führen. Wesentlicher Unterschied zwischen beiden Schulformen ist, dass das Gymnasien in 12 Jahren und die Integrierte Sekundarschule in 13 Jahren zum Abitur führt.
Auch bei den Gymnasien gibt es mehr Ganztagsangebote. Sieben von ihnen starten bereits mit dem Schuljahr 2010/2011. Ziel ist es, in jedem Bezirk mindestens ein Ganztagsgymnasium zu schaffen.
Starter 2010: Hermann-Hesse-Oberschule, 16. Schule (Gymnaisum), Gottfried-Keller-Gymnasium, Gymnasium Steglitz, Albert-Schweitzer-Schule, Gebrüder-Montgolfier-Schule, Schulfarm Insel Scharfenberg.
Starter 2011 (Planung): Diesterweg-Oberschule, Rückert-Oberschule, Friedrich-Engels-Oberschule, Otto-Nagel-Gymnasium.
Der Bezirk Spandau hat kein Ganztagsgymnasium gemeldet.
I.6. Gemeinschaftsschulen in der Schulreform
In der Pilotphase der Gemeinschaftsschule starten drei weitere Schulen bzw. Schulverbünde:
Die Tesla-Schule in Pankow als auslaufende Realschule mit Aufbau einer Grundstufe. In Steglitz-Zehlendorf entwickeln "Ottos Lernwerkstatt" und die "Grundschule am Rohrgarten" eine Gemeinschaftsschule mit Montessori-Profil. In Neukölln entwickelt sich die Walter-Gropius-Schule aus einer Gesamtschule von 1 bis 13 zu einer Gemeinschaftsschule.
Die James-Krüss-Grundschule und Moses-Mendelssohn-Schule fusionieren zudem zur 1. Gemeinschaftsschule Mitte. Die Grundschule am Heidekampgraben und die Sophie-Brahe-Schule schließen sich zur 2. Gemeinschaftsschule in Treptow-Köpenick zusammen.
Insgesamt gibt es im kommenden Schuljahr 17 Gemeinschaftsschulen (16 in öffentlicher, eine in privater Trägerschaft), teilweise noch in Schulverbünden. Der Gemeinschaftsschulanteil an der ISS beträgt damit rund 15 Prozent, bezogen auf alle Schulen der Sekundarstufe I 8 Prozent.
I.7. Kooperation an den Schnittstellen Kita-GS und GS-SEK I
Ab dem Schuljahr 2010/2011 werden Kooperationen mit Kitas und Schulen der Sekundarstufe I verbindlich eingefordert und in Form von Vereinbarungen der Kooperationspartner geschlossen. In der Regel existieren an den Grundschulen bereits Kooperationen mit Kitas. Anregungsmaterialien aus den Modellvorhaben "TransKiGs" und "ponte" bieten Handlungshilfen für die Verstetigung und systematische Ausweitung dieser Kooperationen. In jeder Region gibt es ab dem Schuljahr 2010/2011 eine Multiplikatorin für die Kooperation Kita-Grundschule. Sie leitet auch die Regionalkonferenz zum Austausch pädagogischer Ansätze und zur Entwicklung und Systematisierung von Kooperationen und zur bezirklichen Vernetzung.
Bei der Kooperation von Grundschulen mit Schulen der Sekundarstufe I ist zu beachten, dass jede Grundschule Kooperationen mit allen Schularten der Sekundarstufe I eingeht.
I.8. Lernausgangslage
Die Erhebung einer Lernausgangslage in der Jahrgangsstufe 7 (mindestens in den Fächern Deutsch, Mathematik und in der ersten Fremdsprache) ist für alle Schulen der Sekundarstufe I verpflichtend.
Bildungssenator Zöllner: "Vieles an den Integrierten Sekundarschulen wird neu oder anders sein. Auch wenn die Zielstellung klar geworden ist, ist sie damit noch nicht automatisch bereits erreicht. Es gibt viele Baustellen, die erfreulich sind, weil Neues entsteht. Aber sie sind auch beschwerlich im Schulalltag. Deshalb habe ich große Achtung vor der Leistung der Schulleiterinnen und Schulleiter und aller Lehrerinnen und Lehrer, diesen Prozess der Vorbereitung im letzten Schuljahr gemeistert zu haben. Berlins Schulen zeigen, dass sie die Reform als Chance für ihre Schülerinnen und Schüler angenommen haben."
II. Weitere wichtige Nachrichten und Fakten
II.1. Berlin baut auf Bildung
Verschiedene Programme wie das Schulanlagensanierungsprogramm, das Konjunkturprogramm II sowie die Mittel aus der Investitionsplanung des Landes Berlin ergeben über den Zeitraum von 2009 bis 2011 eine Investitionssumme für bauliche Verbesserungen im allgemein bildenden Schulbereich von über 812 Mio. Euro. Für die zentral verwalteten und beruflichen Schulen wurden in diesem Zeitraum aus Investitionsmitteln des Landes Berlin und über Mittel des Konjunkturprogramms II Baumittel in Höhe von 170 Mio. Euro investiert.
Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner: "Berlin betont auch bei Baumaßnahmen seinen Schwerpunkt Bildung und Zukunftsperspektiven für die Stadt. Berlin baut auf Bildung! Von 2009 bis 2011 wird so fast eine Milliarde Euro in die Berliner Schullandschaft geflossen sein: zur energetischen Sanierung, für Schulerweiterungen, für den Ganztagsbetrieb sowie für Mensen und Schulsportanlagen."
Des Weiteren sind über das Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) des Bundes und des Landes Berlin von 2003 bis 2009 169 Mio. Euro in den Ausbau der Ganztagsbetreuung geflossen.
II.1.1. Konjunkturprogramm II – allgemein bildende Schulen
Das Programmvolumen im Bereich der allgemein bildenden Schulen liegt bei 163 Mio. Euro. Neben 102 Vorhaben an öffentlichen Schulen wurden 34 Vorhaben an Schulen in freier Trägerschaft bewilligt. Die Maßnahmen befinden sich alle in der Realisierung und sind bis Ende 2011 fertig gestellt. Bis heute wurden bereits über 158 Mio. Euro beauftragt, davon sind 57 Mio. Euro bereits verausgabt.
Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner: "Mit diesen bereits jetzt beeindruckenden Werten ist von einer hundertprozentigen Umsetzung des Konjunkturprogramms im Schulbereich im geplanten Zeitraum auszugehen. Dies zeigt, wie professionell die Zusammenarbeit zwischen den Bezirken und der Verwaltung gelungen ist. Diese Arbeitsleistung ist im Hinblick auf die Vielzahl der einzelnen Maßnahmen und ihrer Investitionshöhe bemerkenswert."
Beispiel:
Das denkmalgeschützte Gebäude der Johann-Peter-Hebbel-Grundschule in Charlottenburg-Wilmersdorf erhielt einen Anbau für die Einführung des jahrgangsübergreifenden Unterrichts für vier Klassen. Der 5-geschossige Erweiterungsbau schließt stufenlos an die Geschosse des vorhandenen Gebäudes an. Eine barrierefreie Erschließung sämtlicher Geschosse des Neu- und Altbaus ist durch einen Aufzug gesichert. Baumaßnahmen von 4 Mio. Euro umfassen acht Klassenräume, neun Teilungsräume, zahlreiche Personalräume und die Erweiterung der Mensa. Die bislang ausgelagerte Nachmittagsbetreuung kann zukünftig im Hauptgebäude stattfinden; der Filialstandort wird aufgegeben.
Insgesamt 35 künftige ISS-Standorte und 22 Gymnasien werden derzeit für die Ziele der Schulstrukturreform mit Mitteln baulich hergerichtet, erhalten zusätzliche Räume, Fachkabinette, Mittagsversorgung etc.
Beispiel:
Die Anna-Seghers-Oberschule ist Teil des Pilotprojekts "Gemeinschaftsschule". 2,8 Mio. Euro wurden investiert für einen im Juli 2010 fertig gestellten Schulergänzungsbau für die Grundschulstufe mit Klassenräumen, Gruppenräumen, Lehrerzimmer, Freianlagen sowie für die energetische Qualifizierung. Die behindertengerechte Erschließung über einen Aufzug ist gewährleistet. Durch Einbeziehung des geschützten Baumbestandes ist auch eine charaktervolle Bauform gelungen. Mit einem Primärenergiebedarf, der die erforderlichen Programmvorgaben der EnEV 2007 um 50% unterschreitet, entstand ein Gebäude mit einer herausragenden energetischen Qualität, das bereits jetzt das energetische Anforderungsniveau der EnEV 2012 erfüllen würde.
Beispiel:
Für die Max-Delbrück-Schule (Gymnasium) wird eine ehemalige KfZ-Halle zur Mensa mit Ganztagsbetrieb unter energetischen Gesichtspunkten umgebaut. Baumaßnahmen zur Fertigstellung von weiteren Fachräumen des fünfzügigen Gymnasiums wurden im Februar 2010 begonnen. Die Fördersumme beträgt 1,35 Mio. Euro.
II.1.2. Schulanlagensanierungsprogramm
Im vergangenen Jahr hat der Berliner Senat, zu den im Haushalt eingestellten Mitteln von 32,3 Mio. Euro noch weitere 50 Mio. Euro zur Sanierung der Schulen eingesetzt. In den Haushaltsjahren 2010/11 stehen jeweils 32,3 Mio. Euro zur Verfügung. Zuständig für die Umsetzung der Maßnahmen sind die Bezirke. Ein engmaschiges Controlling in Kooperation mit den Berliner Bezirken begleitet diese Investitionsmaßnahmen. Der aktuelle Stand lässt erkennen, dass bis zum Jahresende alle in 2010 zur Verfügung stehenden Mittel verausgabt sein werden. Die Bandbreite der Vorhaben, die im Rahmen des Schulanlagensanierungsprogramms realisiert werden reicht von Sanierungen von Dächern, Fassaden, Fenstern, Sanitär-, Elektro- und Heizungsanlagen bis zur Sanierung von Klassen- und Fachräumen und Schulsportanlagen.
Beispiele realisierter Vorhaben lassen sich unter anderem im Bereich der Sanitäranlagen an der Gustav-Falke-Grundschule in Mitte, an der Paul-Dohrmann-Schule in Friedrichshain-Kreuzberg, an der Peter-Paul-Rubens-Schule in Tempelhof-Schöneberg begutachten.
II.1.3. Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB)
Durch dieses Investitionsprogramm des Bundes sind rd. 147,2 Mio. Euro an Bundeshilfen nach Berlin geflossen, die vom Land mit weiteren 22,3 Mio. mit finanziert wurden. Bundesweit sollten zusätzliche Ganztagsschulen geschaffen und bestehende weiterentwickelt werden. Berlin nutzte diese Mittel, um einen Schwerpunkt bei dem Ausbau von Grundschulen zu Ganztagsschulen zu setzen. Insgesamt sind so bereits in den vergangenen Jahren über 90.400 Ganztagsplätze gefördert worden (85.900 an öffentlichen Schulen, 4.500 an Schulen in freier Trägerschaft).
Das Ziel, vor allen Dingen die Ganztagsangebote für Kinder im Grundschulalter auszuweiten, ist hiermit erreicht worden; darüber hinaus sind auch die Ganztagsangebote an Oberschulen erweitert worden.
Beispiele sind auf
www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulqualitaet/sanierungsprogramm/izbb_10.pdf?start&ts=1263995538&file=izbb_10.pdf
zu sehen.
III. Weitere Nachrichten über Neuerungen zum Schuljahr 2010/2011
III.1.1. Integrationsförderung
Die Förderung der Integration ist neben den Verbesserungen durch die Schulreform weiter verstärkt worden. Die allein zur Sprachförderung bereit gestellten Mittel wurden erhöht und betragen jährlich nun deutlich mehr als 60 Mio. Euro. Die neuen Integrierten Sekundarschulen erhalten für die Förderung von Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache (ndH) und von der Zahlungspflicht für Lernmittel befreite, „lernmittelbefreite“, Schüler (LmB) ab dem neuen Schuljahr einen Zuschlag in doppelter Höhe, sofern der Anteil der entsprechenden Schülerinnen und Schüler höher als 40 Prozent liegt. Lag der Faktor früher bei 0,11, liegt er heute bei 0,22.
III.1.2. Sprachförderung als ein gesamtstädtischer Schwerpunkt der Lehrerfortbildung 2010/11
Das Thema "Sprachförderung" war im Schuljahr 2009/2010 Schwerpunkt in der Lehrerfortbildung und wird in 2010/2011 durch diese Maßnahmen fortgesetzt:
- Qualifizierungsinitiative für Lehrkräfte, Schulleitungen und regionale Multiplikatoren
- Regionale Fortbildung in der Sekundarstufe I durch Mitglieder der AG Sprachberatung
- Unterstützung der Schulen bei der Umsetzung
III.1.3. START-Stipendienprogramm für begabte Jugendliche mit Migrationshintergrund
18 neue Stipendien im Schuljahr 2010/2011, damit erhöht sich die Anzahl der in Berlin geförderter Stipendiatinnen und Stipendiaten auf 41.
III.1.4. KieWi (Kinder entdecken Wissenschaften) Sprachcamp für Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund
Erstmalig für Grundschüler findet in den Herbstferien 2010 das KieWi-Sprachcamp statt. 30 Kinder der 5. und 6. Jahrgangsstufe aus vier Grundschulen der Bezirke Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg werden zusammen mit Mitarbeitern der Freien Universität zwei Wochen lang forschen und experimentieren.
III.1.5. Förderung von Migranten für den Beruf der Lehrerin und des Lehrers
Mit diesem Schuljahr wird ein Netzwerk für Lehrkräfte mit Migrationshintergrund zur Unterstützung von Migranten, die ein lehramtsbezogenes Studium aufnehmen wollen, aufgebaut. Über Einzelheiten werden Sie auf einer Pressekonferenz im Monat September informiert werden.
III.1.6. Mercator jetzt auch in Herbstferien aktiv
An mittlerweile 30 Standorten werden durch die Stiftung Mercator in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung Kinder- und Jugendliche mit Migrationshintergrund gefördert. Von zentraler Bedeutung sind dabei Sprachfördermaßnahmen – bildungsfördernde Angebote am Sonnabend und Sprachfördercamps. Neu sind Sprech- und Sprachcamps in den Herbstferien an Mercatorschulen, Kurse zur Vorbereitung auf die 4. Prüfungskomponente/MSA und zum Verständnis der Naturwissenschaften in Kooperation mit der FU (z.B. "Die Naturwissenschaften zur Sprache bringen" an der Carl-von-Ossietzky-Schule).
III.2. JÜL: 91 Prozent der Grundschulen nehmen teil
Weitere 37 Grundschulen starten mit jahrgangsübergreifendem Lernen (JüL) in der flexiblen Schulanfangsphase im Schuljahr 2010/2011.
Damit gibt es in 91 Prozent (340) der Grundschulen jahrgangsgemischten Unterricht. 35 Grundschulen (9 Prozent) werden noch jahrgangsbezogene Klassen der Saph führen (darunter 30, die JÜL bereits in Form von Projekten erproben). Mit diesen 35 Schulen, die im Schuljahr 2010/2011 weiterhin jahrgangsbezogene Klassen der Schulanfangsphase (Saph) einrichten werden, wurden Vereinbarungen abgeschlossen, die jeweils die schulischen Rahmenbedingungen bzgl. der Raumsituation, der Personalentwicklung und der Fortbildungskonzepte berücksichtigen.
An der grundsätzlichen Umsetzung des JÜL in der Saph wird festgehalten. An Schulen, deren Rahmenbedingungen einen erfolgreichen Start des JÜL nach wie vor noch nicht erwarten lassen, werden die erforderlichen Voraussetzungen standortbezogen weiterentwickelt.
Sofern an einzelnen Schulen eine spezifische Begleitung der Personal- und Unterrichtsentwicklung erforderlich ist, erfolgt diese durch die regionale Schulaufsicht sowie flankierende Fortbildung.
III.3. Schulinspektionsbericht
Mit Abschluss des vergangenen Schuljahrs sind 600 von geplanten 730 Schulen (Stand: 2006, heute: 701) aller Schularten inspiziert worden.
Alle Berliner Schulen werden in einem Turnus von fünf Jahren inspiziert, Schulen mit erheblichem Entwicklungsbedarf werden bereits nach zwei Jahren erneut inspiziert. Ca. ein Viertel der Schulen zeigt dabei - wie in den vergangenen Berichten bereits deutlich geworden ist - deutliche Stärken in allen evaluierten Qualitätsmerkmalen.
27 Schulen, das sind ca. 4,5 Prozent der inspizierten Schulen, haben erheblichen Entwicklungsbedarf. Nachinspektionen in einem verkürzten Zeitraum von zwei Jahren fanden bisher an zehn dieser 27 Schulen statt. Sieben davon konnten ihr Qualitätsprofil sehr deutlich verbessern: Fortschritte, die u.a. auf Veränderungen beim Leitungspersonal sowie auf intensive prozessbegleitende Beratung von ProSchul zurückzuführen sind. Zwei weitere Schulen mit erheblichem Entwicklungsbedarf sind inzwischen aufgelöst bzw. im Zuge von Fusionierungsprozessen in andere Schulen überführt worden.
Die Auswertung der 5246 Unterrichtsbesuche im Schuljahr 2008/2009 bestätigt die im letzten Jahresbericht dargestellten Ergebnisse an 342 inspizierten Schulen aus den Schuljahren 2005/2006 bis 2007/2008. Insbesondere zeigt sich auch für das vergangene Schuljahr, dass die Qualität der Unterrichtsprozesse nicht von der Schulart oder dem Standort der Schule abhängig ist. Weitere Ausführungen entnehmen Sie bitte dem Bericht über die im vergangenen Schuljahr inspizierten Schulen über:
www.berlin.de/sen/bildung/schulqualitaet/schulinspektion/
III.4. ProMint-Kolleg
Das ProMint-Kolleg an der Humboldt-Universität zu Berlin nimmt seine Arbeit auf. Es hat das Ziel, die Lehrerausbildung noch stärker mit der Berufspraxis zu verzahnen. Die Hochschulausbilder werden dabei ab dem Schuljahr 2010/2011 für drei Jahre durch sieben mit jeweils einer halben Stelle abgeordnete Lehrkräfte unterstützt.
Die sieben Lehrkräfte werden fachdidaktisch fortgebildet und gestalten gemeinsam mit den Hochschulausbildern Lehrveranstaltungen im Rahmen der Lehrerausbildung. Ein wesentliches Element dabei ist auch die Einbindung der Grundschulpädagogik, um den MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) an den Grundschulen noch weiter zu stärken.
Die teilabgeordneten Lehrkräfte wirken als Multiplikatoren in der eigenen Schule bzw. im Bezirk. Sie tragen durch die im ProMINT-Kolleg gewonnenen Erkenntnisse zur Qualitätsverbesserung des Unterrichts bei und helfen Schülerinnen und Schülern z. B. gezielt bei der Suche nach Praktikumsplätzen in der naturwissenschaftlich-technischen Forschung.
III.5. MSA in Berlin und Brandenburg
Nach den ersten gemeinsamen Zentralabiturprüfungen der Länder Berlin und Brandenburg in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik und Französisch werden im Schuljahr 2010/2011 erstmals auch gemeinsame Prüfungsaufgaben auf dem Niveau des mittleren Schulabschlusses im Fach Mathematik gestellt.
III.6. Selbstevaluationsportal
Das Selbstevaluationsportal des Instituts für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg - ISQ wurde im Schuljahr 2009/2010 weiterentwickelt: Neben den bisher vorhandenen Modulen zur allgemeinen Unterrichtsqualität können nun auch Fragebögen für verschiedene Unterrichtsfächer eingesetzt werden. Weitere Module sind in Planung: Im Laufe des Schuljahrs 2010/2011 wird das Portal um das Modul "Schulmanagement" erweitert, mit dem die Arbeit der Schulleitung durch das Kollegium evaluiert werden kann. Die Nutzerzahlen sind stetig gestiegen. Insgesamt haben bisher ca. 12.000 Schülerinnen und Schüler in Berlin an einer Befragung zu der Unterrichtsqualität teilgenommen. Gerne genutzt wurde das Portal vor allem von Lehrkräften in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch.
III.7. Erste Überprüfung des Erreichens der KMK-Bildungsstandards in Jahrgangsstufe 4
Im April/Mai 2011 wird erstmals ein Ländervergleich zur Überprüfung des Erreichens der KMK-Bildungsstandards in der Jahrgangsstufe 4 in den Fächern Deutsch und Mathematik stattfinden. Rund 2.000 Berliner Viertklässler werden am Ländervergleich teilnehmen. Ca. zehn Prozent dieser Schüler/-innen werden sich auch an den zeitgleich stattfindenden internationalen Studien IGLU (Internationale Grundschul-Leseuntersuchung) und TIMSS (Trends in Mathematics and Science Study) beteiligen.
IV. Die wichtigsten Zahlen
IV.1. Schülerinnen und Schüler
Die Bildungsverwaltung muss die Anzahl von Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2010/2011 derzeit prognostizieren. Auf Basis der Meldedaten konnte die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung mit diesem Prognoseverfahren in den vergangenen Jahren die gesamte Schüleranzahl in Berlin punktgenau schätzen. Zur optimalen Verteilung von Lehrkräften ist es jedoch notwendig, die tatsächliche Schüleranzahl an jeder einzelnen Berliner Schule zu kennen. Auf Grund z. B. von Doppelanmeldungen gaben die Schulen jedoch in den letzten Jahren jeweils über zwei Prozent Schüler zuviel an. Das entspräche rund 5.000 Schülerinnen und Schülern. Diese durchschnittlich kleinen – aber in Einzelschulen erheblichen – Abweichungen sollen künftig durch eine neue integrierte Schülerdatenbank deutlich verringert werden.
Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung prognostiziert für das Schuljahr 2010/2011 an den öffentlichen allgemein bildenden Schulen 293 100 Schülerinnen und Schüler. Das sind 1.438 (oder -0,49%) weniger als im Schuljahr 2009/2010 (294 538). Darunter sind rund 24 200 Schulanfänger. An allen öffentlichen und privaten allgemein bildenden Schulen insgesamt dürften per Prognose zufolge 321.090 Schülerinnen und Schüler starten.
IV.2. Lehrer
Insgesamt werden 25.997 Lehrkräfte in der Berliner Schule tätig sein. Zusätzlich werden 5.372 sonstiges pädagogisches Personal in den Schulen eingesetzt. Da sowohl bei Lehrkräften als auch beim sonstigen pädagogischen Personal Teilzeitbeschäftigung im erheblichen Maße üblich ist, ist die Zahl der Personen ("nach Köpfen") entsprechend höher.
IV.3. Neueinstellungen
573 Vollzeitlehrkräfte können zum Schuljahresbeginn neu eingestellt werden. Das Einstellungskontingent für Lehrkräfte beträgt für das gesamte Jahr 2010 1.159 Vollzeiteinheiten, darunter fällt auch die Umwandlung befristeter Stellen in Dauerstellen.
IV.4. Personalkostenbudgetierung
Die Berliner Schulen haben seit dem Schuljahr 2007/2008 die Möglichkeit, selbst Vertretungskräfte zu beschäftigen, in dem ihnen Mittel in Höhe von drei Prozent ihres Personalbudgets zusätzlich zur Verfügung gestellt worden sind. 730 Schulen (inklusive beruflicher Schulen) nehmen derzeit an der Personalkostenbudgetierung (PKB) teil. Dies entspricht rund 98,4 Prozent aller Berliner Schulen. Bis zu den Ferien haben die Schulen seit dem 01.01.2010 in 2.607 Fällen Vertretungen eingestellt und damit Unterrichtsausfall vermieden. Darüber hinaus wurden 7.032 Honorarverträge z. B. für außerunterrichtliche Projekte abgeschlossen.
IV. 5. Umsetzungen
Zum Schuljahr 2010/2011 wurden ca. 1.100 Lehrkräfte umgesetzt, dies entspricht der Anzahl der Vorjahre.
IV.6. Referendare
Zum Schuljahresbeginn gibt es an den öffentlichen Schulen 2.200 Referendare. Das sind 300 Personen mehr als im Vorjahr.
IV.7. Einsatz von Schulhelferinnen und Schulhelfern
Zur Integration von Kindern und Jugendlichen mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung werden die Berliner Schulen von Schulhelfern und Schulhelferinnen unterstützt. Für das Haushaltsjahr 2010 stehen 8,312 Mio. Euro und im Haushaltsjahr 2011 insgesamt 8,712 Mio. Euro für den Einsatz von Schulhelfer/-innen zur Verfügung. Diese Mittel wurden auf die vertraglich gebundenen Freien Träger verteilt.
IV.8. Nichtverfügbare Lehrkräfte
Im Juli 2010 waren 1.295 Lehrkräfte (VZE) nicht verfügbar, der überwiegende Teil davon sind Langzeiterkrankte, ca. 10 Prozent sind im Mutterschutz. Diese nichtverfügbaren Lehrkräfte werden den Schulen seit dem Schuljahr 2007/2008 nicht mehr angerechnet.
IV.9. Schulen
Im Schuljahr 2009/2010 wird es 701 öffentliche allgemein bildende Schulen geben (darunter u. a. 364 Grundschulen, 96 Gymnasien und 111 Integrierte Sekundarschulen).
Aus 147 Haupt-, Real- und Gesamtschulen entstehen bis 2011 insgesamt 119 ISS (inklusive Gemeinschaftsschulen und Sportschulen). Die meisten Integrierten Sekundarschulen starten im jetzt beginnenden Schuljahr. Lediglich acht ISS werden erst im kommenden Jahr durch Umwandlung bzw. Zusammenlegung aus neun zunächst noch als Real- oder Gesamtschulen laufenden Schulen entstehen. Zum neuen Schuljahr werden vier Grundschulen und ein Gymnasium (16.Schule) - allesamt in Pankow - neu gegründet, sechs Schulen aufgehoben und vier Schulen zu zwei Schulen zusammengelegt.
Neu eröffnet - z. T. als Fusionen – werden zum Schuljahr die 34., 44. (Sulzfelder Straße). 45. (Danziger Straße), 46. Schule (Senefelder Straße/Eliashof) - alle: Grundschulen); die 16. Schule (Gymnasium).
Es fusionieren die beiden Grundschulen Fritzlar-Homberg-Grundschule und die Grips-Grundschule zur 44. Schule (Grundschule) und die Hermann-Herzog-Grundschule und die Trift-Grundschule zur 45. Schule (Grundschule).
Umgewandelt wird die Thomas-Mann-Oberschule (Gesamtschule, in Reinickendorf) in die Thomas-Mann-Schule (Gymnasium).
Geschlossen werden: Berolina-Oberschule (Haupt- und Realschule), die Pommern-Oberschule, Amelia-Earhart-Schule und die Johannes-Falk-Schule (Hauptschulen), die Elisabeth-Oberschule (Realschule) und die 2. Schule mit dem Förderschwerpunkt "Lernen".