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Geschichte des Bildungsstandorts Struveshof

Struveshof im Mai 1937

Das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg in Ludwigsfelde-Struveshof steht in der wechselvollen Geschichte, die mit der Eröffnung des Landeserziehungsheimes im Jahre 1917 begann und seither die Höhen und Tiefen der deutschen Schul- und Erziehungspolitik widerspiegelt. 

 

1887 Das als Schäferei genutzte Vorwerk wird von Berlin zum Anlegen von Rieselfeldern erworben.
1896 Auf dem Schäfer-Vorwerk wird eine Einklassenschule errichtet.
1905 Erstmalige Bezeichnung des Vorwerkes des Gutes Schenkendorf (heute Schenkenhorst) als "Vorwerk Struveshof".
Gerhard Struve (1835-1904) war in der Kanalisations-, Park- und Krankenhausdeputation als Landwirtschaftsspezialist leitend in der Verwaltung der rund um Berlin entstandenen Rieselfelder tätig und machte sich um die Betreuung von sozial gefährdeten Heranwachsenden verdient.
um 1900 Errichtung von Erziehungsanstalten außerhalb der Stadt Berlin zur Unterbringung vernachlässigter und verwaister Kinder und Jugendlicher.
1913 Verhandlungsbeginn über die Abgabe des Vorwerkes Struveshof an die Berliner Waisenverwaltung zwecks Unterbringung von Fürsorgezöglingen.
1914 Grundsteinlegung für das "Landerziehungsheim der Stadt Berlin" in Struveshof .
1915 Bau von Wohnhäusern, Direktionsgebäude, Anstaltsschulhaus, Anstaltslehrerhaus, großem Wirtschaftsgebäude mit Turn- und Festhalle, Anstaltsküche, Wäscherei, Schmiede, Stellmacherei, Schuhmacherwerkstatt, Saal für Gottesdienst etc. Die alten Gebäude mit Stall, Scheune und Wohnhäusern bestanden weiter.
1917 Eröffnung des landwirtschaftlichen Erziehungsheimes Struveshof als "vorbildlichstes Landeserziehungsheim für Knaben und Jünglinge" zwischen 12 und 18 Jahren (Mädchen waren in Kleinbeeren untergebracht).
Ausrichtung Struveshofs, das dem Jugendamt der Stadt Berlin unterstand, auf Eigenversorgung, Werkstätten und Ausbildung (Berufsschulunterricht).
bis 1924 Unterbringung von Schwererziehbaren, dann erfolgt eine Erziehung nach einem Familiensystem.
1922 Durch Elternproteste wird die Schließung der Volksschule in Struveshof verhindert.
1925 Änderungen durch rezipierte Vorstellungen der Jugendbewegung: "Kameradschaft" zwischen Jugendlichen und Erziehern, Jugendgemeinschaften.
Einrichtung von Fortbildungskursen zur Qualifizierung der Erzieher.
1928 Umwandlung des Vorwerkes Struveshof als Exklave des Gutsbezirks Schenkendorf in die Gemeinde Struveshof, noch besaß Struveshof größere Bedeutung als Ludwigsfelde.
1933 Zunehmende Militarisierung des Anstaltslebens.
Bei Verstoß gegen die Anstaltsvorschriften erfolgte eine Einweisung in die 'Birke', eine Umschreibung für das von Birken umgebene Gefängnis.
Bücherverbrennung von "undeutscher" und "jüdischer " Literatur, um den "deutschen Charakter" der Anstalt zu beweisen.
1936 Einteilung in Kameradschaften, Häufung von Fluchtversuchen.
1938 Auflösung der Schule in Struveshof (für Kinder des Personals).
Es herrscht Selbstjustiz, ein Strafkodex wird entwickelt, Wehrsport und Arbeitstherapie dominieren.
1943 Zerstörung eines Wohnhauses durch britisch-amerikanischen Bombenangriff auf das nahe gelegene Flugzeugmotorenwerk (17 Tote).
1944 Nochmalige Bombenabwürfe auf Struveshof.
1945 Einnahme Struveshofs durch sowjetische Panzereinheit.
Einrichtung einer sowjetischen Kommandantur und eines Lazaretts.
1945/46 Entstehung eines Jugendwerkhofs für straffällig gewordene und erziehungsschwierige Jungen und Mädchen.
Abschaffung der "Birke", der Prügelstrafe, Entlassung des korrupten Personals, Jugendliche können den Abschluss der achten Klasse nachholen und einen Beruf erlernen.
1947 Kritik am "lockeren" Leben der Erzieher, schlechter körperlicher Zustand und Geschlechtskrankheiten bei Zöglingen.
1960 Auflösung des Jugendwerkheims.
Gründung des Instituts für Jugendhilfe, das ab 1961 dem Ministerium für Volksbildung der DDR untersteht.
(Ausbildung von Jugendfürsorgern, Weiterbildung leitender Kader der Heim-, Hort- und Internatserziehung, Forschungs- und Entwicklungsarbeit auf dem Gebiet der Jugendfürsorge und der Heimerziehung).
1961 Struveshof wird von Ludwigsfelde eingemeindet.
1962 Nach Schließung des Jugendwerkhofs etabliert sich das Zentralinstitut für Weiterbildung für Lehrer und Erzieher (ZIW) in Struveshof.
1963 Eingliederung des Instituts für Jugendhilfe in das ZIW.
Regelmäßige Schulräteseminare (u.a. mit Tagungsgästen des Politbüros des ZK der SED wie Kurt Hager und Hermann Axen).
Jährliche Durchführung von "Zentralen Tagen der Pädagogischen Lesungen" (Zensur der Redemanuskripte).
1973 Das ZIW nennt sich nun Zentralinstitut für Weiterbildung der Lehrer, Erzieher und Schulfunktionäre.
1975 Schrittweise Ablösung der Rieselfeldwirtschaft durch den Ausbau von Klärwerken.
1987 Grundsteinlegung für das neue Hörsaalgebäude in Struveshof.
Das ZIW erhält durch die persönliche Förderung der Volksbildungsministerin eine wachsende Bedeutung.
1988 Einweihung des neuen Hörsaalgebäudes im Zuge der Vorbereitung des IX. Pädagogischen Kongresses im Oktober 1988.
Aufenthalt von Margot Honecker, Ministerin für Volksbildung, und Kurt Hager, Mitglied des Politbüros des ZK der SED; Eklat: Das Redemanuskript der Ministerin ist verschwunden.
1990 Schließung des ZIW
Juli 1991 Gründung des Pädagogischen Landesinstituts Brandenburg (PLIB)
Direktor wird Prof. Dr. Klaus-Jürgen Tillmann.
Aufgaben: u. a. Fortbildung des Schulpersonals, Entwicklung von Rahmenlehrplänen, fachliche und organisatorische Betreuung von Modell- und Schulversuchen.
bis 1995 Gründung der 10 Außenstellen des PLIB.
1992 Dr. Jan Hofmann übernimmt im November die Leitung des Instituts.
1998 Gründung des "Zentrums für Aus- und Weiterbildung GmbH" (ZAL). Das ZAL bietet unter der Leitung des Geschäftsführers, Reiner Rabe, arbeitsmarktorientierte und wirtschaftsnahe berufliche Aus- und Weiterbildung mit überdurchschnittlich hohen Vermittlungschancen an.
2001 Umzug des 1991 gegründeten Medienpädagogischen Zentrums Brandenburg (MPZ) von Potsdam nach Ludwigsfelde-Struveshof. (Dafür wird das ehemalige Hörsaalgebäude, Haus 7, komplett umgebaut.)
2003 Gründung des Landesinstituts für Schule und Medien Brandenburg (LISUM Bbg) zum 01.07.2003 (Fusion aus MPZ und PLIB), Direktor: Dr. Jan Hofmann.
Neue Aufgabenbereiche: u. a. Entwicklung von Rahmenlehrplänen, Durchführung von Schul- und Modellversuchen, Prüfungen, Tests, Standards und Evaluation.
2005 Umzug des 1991 gegründeten Sozialpädagogischen Fortbildungswerks Brandenburg (SPFW) von Blankensee auf den Struveshof.
(Gründung des Sozialpädagogischen Fortbildungsinstituts Berlin-Brandenburg zum 01.01.2007. Das SPFW verlässt den Standort Ludwigsfelde und zieht in das Jagdschloss Glienicke in Berlin.)
7/2006 Feier zum 100-jährigen Bestehen des Bildungsstandorts Struveshof.
2007

Gründung des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) zum 01.01.2007. (Fusion des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin und des Landesinstituts für Schule und Medien Brandenburg)
Aufgabenschwerpunkte lt. Staatsvertrag:

  • Unterrichtsentwicklung einschließlich der Rahmenlehrpläne und der zentralen Prüfungen,
  • Qualifizierung von Schulleitungspersonal und Zielgruppen der Schulbehörden, soweit sie nicht regional fortgebildet werden,
  • Schul- und Modellversuche, Durchführung von Wettbewerben,
  • Medienpädagogik, Medienarbeit und multimediale netzbasierte Unterstützungssysteme in den Bereichen Schule und Erwachsenenbildung/Weiterbildung,
  • Qualifizierung des Fachpersonals im Bereich der Erwachsenenbildung/Weiterbildung.

Mehr über die Geschichte des Struveshofs können Sie nachlesen in: "Ludwigsfelder Geschichte und Geschichten, Band 9: 100 Jahre Struveshof - Bildungsstandort Ludwigsfelde".

© 2007 Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg 14974 Ludwigsfelde-Struveshof
Tel.: 03378 209-200
Fax: 03378 209-232
E-Mail: poststelle@lisum.brandenburg.de
Internet: www.lisum.brandenburg.de
Redaktion: Heike Haseloff
Quellen: Frank Tosch, Zur Geschichte Struveshof, 1995, Dr. Gerhard Birk, Oliver Herrmann, Kommentierte Zeittafel in: Ludwigsfelder Geschichte und Geschichten
Foto: Stadtarchiv Ludwigsfelde

  
 
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